Der Luise-Kiesselbach-Tunnel ist freigegeben.

Heute Nacht um 00:20 Uhr wurde der Luise-Kiesselbach-Tunnel, der dritte und letzte Tunnelabschnitt des Tunnelprojektes am Mittleren Ring, für den Strassenverkehr endlich freigegeben. Damit endet nach knapp 20 Jahren Planung und Bauzeit eines der größten Münchner Bauprojekte der letzten Jahrzehnte.

Ring frei für Tunnelabschnitt 3!

Im Juni 1996 sprachen sich mit knapper Mehrheit die Münchner in einem Bürgerentscheid für das Tunnelgroßprojekt aus. Der Petuel-Tunnel im Norden bildete den ersten Bauabschnitt und wurde nach 5-jähriger Bauzeit am 6.07.2002 fregegeben. Als nächstes folgte dann im Osten des Mittleren Rings der Richard-Strauss-Tunnel (Freigabe am 20.07.2009) und der Effnertunnel (Freigabe am 20.12.2006). Den letzten Tunnelabschnitt bildeten schliesslich der Luise-Kiesselbach-Tunnel und der Heckenstaller-Tunnel im Süd-Westen des Mittleren Ringes.

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Lage des Südwesttunnels im Mittleren RingMittlerer Ring Ost – Bauablauf 2003 – 2010. Lizenziert unter PD-Schöpfungshöhe über Wikipedia

 Das Ende des südlichen Nadelöhrs?

Der Luise-Kiesselbach-Platz, der bisher die Garmischer Autobahn A95 mit der Garmischer- und Heckenstallerstrasse verband, war seit jeher ein mit Kreuzungen und Ampeln gespicktes Nadelöhr, weshalb es durchaus sinnvoll erschien mit einer Untertunnelung dem immer größer werdende Verkehrsaufkommen Herr zu werden.
Entscheidend für die Wirksamkeit dieser Maßnahme wird jedoch sein, dass im späteren Verlauf der Strassenführung am Mittleren Ring keine weiteren Hindernisse in Form von Kreuzungen oder Auf- und Abfahrten den Verkehrsfluß beeinträchtigen. So geschehen am Richard-Strauss-Tunnel, wo erst nach Fertigstellung “entdeckt” wurde, dass kurz nach dem Tunnel in Richtung Norden, hinter der Kennedy-Brücke, die Ifflandstrasse den Mittleren Ring kreuzt. Jeder Laie kann sich ausmalen was passiert, wenn ein höher Verkehrsfluß begünstigt durch den Tunnel plötzlich durch eine Ampelkreuzung unterbrochen wird…Richtig, an dieser Stelle findet man morgens und abends den längste Parkplatz der Stadt. Eine provisorisch eingerichtete “Teilbeampelung” einer Fahrspur hat bisher wenig bis gar nichts gebracht.
Im nächsten Jahr ziehen wir ins Outback südlich von München und die A95, sowie der Mittlere Ring in Richtung Norden, werden mein neuer Arbeitsweg werden. Daher habe ich natürlich ein vitales Interesse daran, dass der Luise-Kiesselbach-Tunnel auch das bringt, wofür er gebaut wurde. Noch so ein Fiasko wie am Richard Strauss-Tunnel und ich werde mir ein Monatsticket für die S-Bahn besorgen müssen (was nicht unbedingt einen Zeitvorteil bringt, aber dafür billiger ist).

 

Luise-Kiesselbach-Platz
Bild von Mison at de.wikipedia. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons

Ich will aber nicht gleich den Teufel an die Wand malen, auch wenn die Tunnelfreigabe (zunächst nur in Richtung Norden) heute gründlich in die Hose gegangen ist. Ich hoffe, daß die Planer dieses Mal mitgedacht haben und der Anschluß der Lindauer Autobahn A96 weiter im Norden keine Probleme macht…

Hier noch einige Bilder vom Bürgerfest vom vergangenen Samstag zur feierlichen Eröffnung des Tunnels:

Zahlen, Daten, Fakten zum Luise-Kiesselbach-Tunnel.

Baubeginn Vorwegmaßnahme Kanalbau: Oktober 2007

Tunnelrohbau: August 2009

Fertigstellung Verkehrsfreigabe Tunnel: 27./28. Juli 2015

Wiederherstellung Oberfläche: Ende 2017

Projektkosten 398,5 Mio. €

Länge Ausbauabschnitt 2.800 m

Tunnellängen Luise-Kiesselbach-Tunnel: 1.500 m

Heckenstallertunnel: 620 m

Tieflage Heckenstallerstraße: 400 m

 

68.000 m² Tunnelfläche

10.091 Bohrpfähle mit einer Gesamtlänge von 110,5 km

720 Stahlstützen mit einem Gesamtgewicht von 2.000 t

31.000 t Bewehrungsstahl

241.000 m³ Beton

800.000 m³ Erdaushub

90.000 m² Abdichtungen

245.000 m² Asphaltfläche für Provisorien und Straßenendausbau

16 km Markierungen

52.000 m² Wandverkleidung

800 km Kabel zur Stromversorgung und für die Steuerungstechnik mit

15.000 anzusteuernden Datenpunkten

3.400 Langfeldleuchten, 450 Adaptionsleuchten und

100 Pannenbuchtleuchten für die Tunnelbeleuchtung

600 Fluchtwegschilder

210 Videokameras

30 (!) Blitzer

Quellen: Projektdaten LH München, Stand 01.07.2015 und Planungsdaten, Stand Feb. 2009

 

 

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