Wer rettet die deutsche Sprache?

So heißt die Doku, die ich zufällig beim Zappen letzten Sonntag auf Phönix gesehen habe.

Die Doku versucht sich kritisch mit den Anglizismen in der deutschen Sprache auseinanderzusetzen und zieht Frankreich mit seinem Gesetz zum Schutz der Sprache als Vergleich hinzu. Da die Doku vom SWR produziert wurde, kommen viele Wortbeiträge ausgerechnet von Baden-Württenbergern (z.B. Betriebsratsvorsitzender von Bosch, Professoren der Uni-Tübingen, etc.) zu Wort, die lt. Selbstauskunft “Alles, außer Hochdeutsch” können….muhaha.

Zu Recht wird kritisiert, daß immer mehr Anglizismen, v.a. in den Medien Einzug halten, sodaß nur noch ein unverständliches und albernes Kauderwelsch entsteht. Ich kenne auch einige Zeitgenossen, die nur mit Anglizismen so um sich schmeissen, weil sie galuben damit modern, kosmopolitisch und fortschrittlich auf der Höhe des Zeitgeists zu sein. (“Kennst du schon die neue Location am Airport? Da spielen die horny Beats und Tunes…”)

D.h. sie benutzen diese Audrücke nicht, weil sie keinen deutschen Ausdruck dafür kennen oder nicht vernünftig Deutsch könnten, sondern nur, um sich darzustellen und “hip” zu erscheinen.

Allerdings fand ich die Forderung, ein Sprachschutzgesetz wie in Frankreich einzuführen, als absolut albern. Bemängelt wurde in dem Bericht, daß z.B. BWL-Studenten in ihrem international ausgerichteten Studium, Begriffe wie Return-on-investment, Earnings-before-interests-and-taxes (EBIT) und Cashflow lernen und nicht die traditionellen deutschen Buchhalterbegriffe.

In den technischen Berufen (v.a. allen akademischen Berufen) ist es ja nicht anders. Ich spreche mal für die IT, wo wir von Clients, Server, Interfaces, etc. reden.

Warum? Ganz einfach das sind sog. termini technici, zu deutsch Fachbegriffe. Diese sind nun mal englisch, also gebrauchen wir diese, um uns intereinander zu verständigen. Meine Kollegen würden mich sofort einliefern, wenn ich mit dem “Zwischennetz Erforscher in das weltweite Gewebe” einsteige oder die Daten vom “Bediener” holen will.

Konsequenterweise müssten wir dann auch alle aus dem lateinischen oder französichen abgeleiteten oder eingedeutschten Begriffe (z.B. Jour fixe, Baguette, etc.) aus dem deutschen Sprachschatz entfernen. Da will ich dann unsere klugen Sprachwissenschaftler sehen, wie sie dann die deutschen Begriffe für “Kommunikation”, “Rhetorik”, “Parabell” oder sprachliche Stilmittel wie “Hendyadyoin” (das findet man nicht mal bei Wikipedia, aber es existiert wirklich) übersetzen und uns erklären wollen wie “der symbolistische Dichter versucht, aus Bruchstücken der realen Welt Sinnbilder zu schaffen, die, neu zusammengesetzt, eine Welt der Schönheit beziehungsweise der ideellen, ästhetischen und oft auch spirituellen Vollkommenheit ergeben sollen“. Nur sind diese aus dem lateinischen abgeleiteten Begriffe schon so lange in unserem Sprachgebrauch, daß es uns nicht auffällt, daß sie eigentlich nicht originär deutsch sind.

Von Medizinern und Juristen und sonstigen Geisteswissenschaftlern will ich gar nicht anfangen.

Ich würd gern wissen, wer statt Vierzylinder Motor “Viertopf-Zerknall-Treibling” sagen würde. Der fliegende Schraubenschlüssel in der Autowerkstatt ist dir dann gewiß. Außerdem ist “Cola” ein Eigenname und “koffeeinhaltiges Erfrischungsgetränk” keine Ãœbersetztung, sondern eine Beschreibung von Cola.

Ehrlich gesagt, habe ich keine Lust, daß mir Politiker vorschreiben und mich bevormunden, vieviele Lieder mit deutschen Texten ich im Radio hören muß. Ich persönlich stehe ja überhaupt nicht auf die Deutsch-Rock-Gören a la July, Silbermond, Tokio Hotel oder die Fistelstimme, die jedem Pädophilen einen angenehmen Schauer über den Rücken jagt, von Annette Louisianne. Musik, Texte und “Künstler” sind für mich inakzeptabel, aber leider im Trend und haben damit bei einem solchen Gesetz einen Stammplatz in den Playlisten der Sender. Leider kann ich mich für keine deutschsprachigen Musiker begeistern außer den “Fanta 4”, “Ärzte” und den alten NDW-Klassikern, denn bei Gröni, Petri, Maffay un Pur krieg ich Hautjucken. Klar, es gibt auch viele nicht-deutschsprachige Lieder, die bei mir einen Brechreiz erzeugen, aber da kann ich leichter darüber hinweghören, da ich selten Musik höre, um mich mit den Texten auseinanderzusetzen, sondern um mich zu unterhalten.

Sprache ist etwas lebendiges und dynamisches und verändert sich damit im Laufe der Zeit. Keiner von uns spricht das Mittelhochdeutsch zu Zeiten Luthers. Darum finde ich solche Vereine zu Erhaltung der Deutschen Sprache überflüßig wie einen Gropf. Welche deutsche Sprache wollen die denn konservieren? Die heutige, die zur Zeit der Nazis, die vor 200 Jahren oder die vor 1000 Jahren? Und mit welcher Berechtigung geben sie der einen oder anderen Zeit den Vorzug?

Besonders klasse fand ich auch die These, die Deutschen würden so gern wie kein anderes Land Anglizismen verwenden, weil sie durch das dritte Reich und den verlorenen WWII eine Ich-Störung und einen Selbsthaß hätten und sich den Siegermächten v.a. den USA anbiedern würden. Hallo??? Die Anglizismen werden von der jüngeren Generation benutzt und nicht von der Generation unserer Eltern oder Großeltern, die als “Verlierergeneration” in Frage kommen würde. Außerdem ist es den Amis völlig Wurst, was wir mit unserer Sprache machen. Die meisten können eh nur ihre eigene Sprache, und das nur eingeschränkt.

Ich kenne auch niemanden aus meiner Generation, der in der Gesinnung erzogen wurde “Wir sind die Verlierer und darum ist alles von Amerika gut und wir müssen lieb zu Amerika sein.”

Eine Medizin für die Krankheit des “denglischen Patienten” habe ich nicht, zumal ich es auch nicht als Krankheit sehe.

Alles in allem war die Doku nicht das, was in der Programmankündigung zu lesen ist. Die Fragen wurden zwar gestellt, aber nach meinem Geschmack nur einseitig beantwortet.

Ich, für meinen Teil, werde weiterhin in mein “Gewebetagebuch” schreiben, wie mir der Schnabel gewachsen ist.

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14 Gedanken zu “Wer rettet die deutsche Sprache?”

  1. N:Sign: “Ehrlich gesagt, habe ich keine Lust, daß mir Politiker vorschreiben und mich bevormunden, wieviele Lieder mit deutschen Texten ich im Radio hören muß.”

    Dazu will ich auch mal eine Reply leaven und einen Comment submitten: Rettet die englische Sprache! :-)

    Die Gefahr, dass du als Fan anglo-amerikanischer Musik eines Tages zu deutschsprachigen Pop/Rock verdonnerst wirst, ist denkbar gering. Ich mag beides, deutsch- und englischsprachigen Pop. Doch bei dem ersteren Genre komme ich im Radio kaum auf meine Kosten, weil mir regelmäßig englisches Liedgut entgegenschallt. Die Situation ist paradox: Während deutschsprachige Bands die Verkaufschart stürmen, sind sie im Radio extrem unterrepräsentiert. Damit haben Nachwuchsmusiker kaum eine Chance, einem breiteren Publikum bekannt zu werden. Wenn sie es dennoch schaffen, verdanken sie dies ihrer treuen Fangemeinde bei Live-Konzerten in Clubs und auf Festivals oder im Internet, nicht dem Medium Radio.

    Achja, die obige Doku habe ich vor gut einem Jahr beim SWR gesehen; sie hat an Aktualität nichts eingebüßt.

  2. Ich gebe dir durchaus Recht, daß GUTE deutsche Bands und Nachwuchskünstler in Deutschland im Radio unterrepräsentiert sind. Die “Ärzte” z.B. waren wegen ihren Songs schon zig-mal auf den Index gesetzt worden und durften von den Sendern nicht gespielt werden. Sie haben es aber trotzdem geschafft, durch Qualität und der Unterstützung ihrer treuen Fans. Die Bands und Sänger, die ich erwähnt habe, sind Marketing-Produkte ihrer Plattenfirmen oder bereits etabliert und satt. Nachwuchskünstler haben es generell in Deutschland schwer, egal ob sie deutsch oder englisch singen. Dafür gibt es einfach keinen Markt. Darum gibt es auch eine Indie-Szene und auch paar sehr gute private Sender, die nur Indie-Bands spielen. Ich glaube aber nicht, daß deutsche Bands zu wenig im Radio gespielt werden, obwohl sie in den Charts weit oben sind. Ich nehme da eine klare Korrelation wahr. Der Markt reguliert hier die Playlists der Sender. Doch wie gesagt, leider sind DIESE No-No Bands in den Charts und damit oft im Radio/TV zu hören. Den Bands oder Sängern, die so eine Quote forden, geht es nicht, um die Propagierung deutscher Songs im Allgemeinen, sondern speziell darum ihre hohen Verkaufzahlen zu erhalten. Der Nachwuchs wird weiterhin keine Chnce im Radio haben. Darum ging es mir aber nicht.

    Sondern darum, daß gesetzlich eine Quote festgelegt wird. Wenn es eine Quote gäbe für englische oder mongolische Songs, würde mich das auch stören. Es geht mir darum, daß wir für jede Trivialität eine Regelung brauchen und damit glauben unsere Probleme zu lösen, anstatt nach den Ursachen zu suchen und diese beseitigen. Wir Deutschen müssen ja nicht für jeden Mist eine Vorschrift oder ein Gesetz haben! Anstatt Hirnschmalz für solche Gesetzte zu vergeuden, die nichts helfen werden, sollten lieber ernsthafte Anstrengungen unternommen werden, das Bildungssystem zu verbessern, damit die deutsche Sprache den v.a. jungen Leuten präsenter ist und besser vermittelt wird.

    P.S: “..einen Reply zu leaven…” ist echt Klasse! Den muß ich mir merken :-)

  3. Moin Fozi! Das größte Hindernis für deutschsprachige Bands ins Radio zu gelangen, sind die heutigen computerisierten (meist kommerziellen) Radioformate, die kaum noch von Moderatoren betreut werden. Um möglichst hohe Einschaltquoten zu erzielen – wichtigstes Kriterium für Werbeeinnahmen -, gelangen nur gefällige, pflegeleichte Stücke in die Abspiellisten – neue Stücke von Newcomern stören da nur.

    Deshalb spiegeln die Abspiellisten nur zum kleinen Teil die Verkaufcharts wider, in denen deutsche Bands einen Anteil von 30 bis 50 Prozent (während der WM noch mehr) erreichen. Die im Radio gespielten Titel werden allwöchentlich von Nielson Music Control ermittelt: http://www.radionews.de/?CONT=airplaytop100&SCHEME=02 Wenn ich richtig gezählt habe, sind in dieser Woche von 100 Titeln nur 13 deutschsprachig = 13 Prozent. So geht das jetzt schon jahrzehntelang.

    Auch wenn man kein Quotenfreund ist, lohnt sich ein Blick ins Nachbarland Frankreich. Dort müssen 40 Prozent des Musikprogramms aus französischen Titeln bestehen mit der Folge, dass man auf neue Gruppen eher aufmerksam wird und einheimische Musik im hohem Kurs steht. Dieses Modell hat sich seit Jahrzehnten bewährt.

    Doch zurück zu “Wer rettet die deutsche Sprache?” Es wird bei uns viel zu wenig beachtet, dass gesungene Musik auch ein wichtiger Teil der Sprache ist – und ein hoch emotionaler und prägender obendrein. Deshalb sollte es immer einen soliden Sockel einheimischer Musik geben. Eine Sprache, die zu über 90 Prozent ihre gesungene Musik an eine Fremdsprache delegiert, ist – siehe oben – nicht mehr zu retten :-(

  4. In den Top 100 Single Charts von Musikload (http://www.musicload.de/special?pageid=245&chartpage=9) (ermittelt von Media Control GfK) hab ich 25 deutschsprachige Titel gezählt. Rund 1/3 davon sind “Nachwehen” der WM (Stiller, Naidoo, Gröni, etc.). Soweit ich informiert bin, sind da auch die Online Downloads mitgerechnet. Wenn man mal diese Charts saisonbereinigt sieht, kommt man im Schnitt auch auf ca. +/- 15% Anteil an deutschsprachigen Songs in den Verkaufs-Charts wie in den Radio-Charts. Daß im Radio die WM-Songs nicht mehr gespielt werden und somit in den Charts nicht mehr stark vertreten sind ist durch das Medium Radio bedingt. (Ich glaube inzwischen wechselt jeder den Sender, wenn die Sportfreunde Stiller mit 54, 74, 90, 2010 kommen). In den Verkaufscharts werden sie sich hingegen aufgrund der hohen Verkaufszahlen zur WM noch etwas halten. Doch das Herumwuchten von Zahlen und Statistiken, die interpretationsfähig und erklärungsbedürftig sind bringt uns da nicht weiter :-).

    Richtig, gesungene Spache ist Teil der Sprachkultur, doch finde ich den Sockel einheimischer Musik alles andere als solide, wenn ich sehe wer seine Ergüße im Radio abliefern darf: Wir sind Helden, Juli, Nena, Silbermond. Die Texte dieser Vertreter finde ich, sind der deutschen Sprache wenig dienlich (sehr einfache Texte mit simplen Wortschatz, die zwar jeder Versteht aber keinen kulturellen Anspruch haben), im Gegensatz zu Söhne Mannheims/Naidoo oder auch (ich sag ungern) Grönemeyer, die den Intellekt ansprechen (note: ich spreche nur von Texten, nicht von der Musik). Kommen unsere deutschen G-Rapper ala Bushido oder Komiker ala Pocher zum Zug dann ist’s mit der Sprachfertigkeit entgültig vorbei.

    Wir sind gar nicht soweit auseinander, du bist ein eifriger Verfechter von mehr deutschsprachiger Musik im Radio/TV v.a. von Nachwuchsbands, was ich gut finde, und ich würde da ein Stück mitziehen, wenn auch wirklich gute Musik/Texte aus deutschen Landen produziert wird, um die deutsche Sprache zu retten. Mit Texten wie ” Zeit, daß sich was dreeeeht” (ein zugegeben weniger intellektuelles Lied von Gröni) oder “Dursch den Monsüüün”, wirds denk ich nix mit der Rettung und der Sockel bleibt bröckelig. Da möchte ich wirklich nicht, daß meine zukünftigen Kinder sprachlich so geprägt werden, schon garnicht vom Radio oder schlimmer durch MTV/VIVA ;-) (Etwas off-topic: Gibt es eigentlch einen Idioten u. Looserindex um dort Moderator zu werden, z.B. IQ bei Zimmertemperatur o.ä.).Die spachliche Prägung sehe ich als essentielle Aufgabe des Elternhauses an und die der Schulen.

  5. Sie schreiben: “Sprache ist etwas lebendiges und dynamisches und verändert sich damit im Laufe der Zeit. … Darum finde ich solche Vereine zu Erhaltung der Deutschen Sprache überflüßig wie einen Gropf. Welche deutsche Sprache wollen die denn konservieren?”

    Dass die Sprache lebt, bestreitet die Aktion Lebendiges Deutsch nicht. Im Gegenteil, sie nennt viele Begriffe aus dem Englischen, die uns lieb und willkommen sind. Wie ein Kropf ist daher nur Ihre Bemerkung, sie haben sich halt nicht informiert.

    Ums Konservieren geht es auch nicht. Um bei Ihrem Bild zu bleiben: Die Sprache lebt wie ein Garten. Da zupft man Unkraut, macht den Schnecken den Garaus und was nicht noch alles. Wildwuchs kann man auch schön finden. Daraus entsteht aber keine Literatur. Denken hat etwas mit Sprache zu tun. Sie bedingen einander.

    Vielleicht denken Sie das mal selber zu Ende.

    Beste Grüße,

    Ihr Baer

  6. Hallo Baer,

    im oben erwähnten Bericht war vom Verein zur Erhaltung der deutschen Sprache die Rede, wenn ich mich recht erinnere. Konservierung = Erhaltung, d.h. einen Zustand nicht verändern. Lt. Wikipedia und der Webseite des Vereins (http://vds-ev.de) hieß ja der “Verein Deutsche Sprache e.V.”, früher mal “Verein zur Wahrung der deutschen Sprache”. Wahrung heißt ja soviel wie Erhaltung oder Konservierung. Mir ist nicht ganz klar warum einige englische Wörter im VdS willkomen sind, so wie fair, Interview, Trainer, Doping, Slang aber andere wie event, highlight, shooting star, outfit verpönt sind. Welche objektiven und nachvollziehbaren Kritierien sind da ausschlaggebend für “hop” oder “top”? Genau das habe ich auch in beinem Beitrag kritiesiert mit “Welche deutsche Sprache wollen die denn konservieren?” Das “Imponiergefasel” geht mir auch auf den Wecker (geitige Tiefflieger wird es immer geben), doch was tut der VdS und seine assoziierten Unterorganisationen noch für die deutsche Sprache, ausser nach gutdünken Anglizismen zu verbannen und den “Sprachpanscherpreis” zu verleihen? Welche Wirkung hatte er bisher seit seiner Gründung 1997? Das, was in den Vereinszielen unter 4. steht, (http://www.vds-ev.de/verein/) ist meiner Meinung nach bei weitem zu unzureichend. Mir fehlen die konkreten Maßnahmen. Im Wesentlichen sich bei allen möglichen Institutionen zu beklagen und zu protestieren ist zu wenig. Praktisches und akives Engagement an der Basis wäre zielführender. Bei gut 500.000€ jährlichen Mitgliedsbeiträgen (ca. 27.000 Mitglieder a 20 €) könnte man z.B. in Schulen Theatergruppen unterstützen, Jugendschreibwettbewerbe veranstalten (es gibt einige verkappte literarische Talente) oder Deutschkurse für Kinder und Jugendliche aus den ehemaligen deutschen Ost-Gebieten subventionieren, die zwar deutsche Staatsbürger sind und einen deutschen Namen tragen, aber für die Deutsch eine Fremdsprache ist. Das habe ich an meiner Schule oft erlebt. Selbstverständlich sollten diese Kurse gleichzeitig auch für Kinder anderer Nationalitäten angeboten werden. Das hilft der deutschen Sprache und deren richtigen Gebrauch mehr als hochdotierte (35.000€) Kulturpreise zu vergeben und sich in der intransparenten Definition von Anglizismen und deren Anprangerung zu engagieren. Das “Ãœbel” muß man an der Wurzel packen, und nicht an den Symptomen rumdoktern. Ich stimme der Ausage “Sprache und Denken bedingen sich gegenseitig” voll zu. Aber wo denken diese Vereine an unsere Zukunft, sprich unsere Kinder? Da haben diese Vereine nicht zu Ende gedacht. Und solange diese Vereine keine echte Wirkung zeigen, bleibe ich dabei, daß sie überflüssig wie ein Kropf sind (uppps…das kostet mich jetzt wohl die Nennung im Pressespiegel des VdS ;-)

  7. NACHTRAG:

    Wenn ich mir die Talksendungen auf den privaten Sendern ansehe, dann sind Anglizismen meine geringste Sorge. Das Sprachniveau und Artikulationsfähigkeiten dort, reichen noch nicht mal zu Anglizismen. Und ich denke, daß dort ein recht repräsetativer Bildungs-Durchschnitt (vom Akademiker bis zum Hauptschulabsolventen) der deutschen Bevölkerung seine privaten Angelegenheiten zum besten gibt. Wenn ich DAS sehe, dann habe ich wahrlich Sorgen um unsere Sprache und Rettungsmaßnahmen sind schon überfällig! Zunächst sollte man sich dafür einsetzen, daß jeder vernünftig deutsch sprechen und schreiben kann und sich später um “Sprachkosmetik” kümmern

  8. @Fozi: “Zunächst sollte man sich dafür einsetzen, daß jeder vernünftig deutsch sprechen und schreiben kann und sich später um ‘Sprachkosmetik’ kümmern.”

    Doch genau daran hapert es, wie uns PISA gelehrt hat. Während die Englischkenntnisse langsam besser werden, klagen ausbildende Unternehmen und Betriebe über miserable muttersprachliche Lese- und Schreibfertigkeiten ihrer Azubis. Dem Unterrichtsfach Deutsch wird in den Lehrplänen ein zu geringer Stellenwert beigemessen. Josef Kraus, Vorsitzender des Deutschen Lehrerverbandes, konstatiert in einem Interview mit ZDF-Heute:

    “Ein drittes Problem ist die Geringschätzung der Muttersprache. Der Standard sieht vor, dass ein Viertklässler einen Grundwortschatz von 700 Wörtern haben soll. Das ist eine verdammt schmale Basis. Jetzt will man wieder den Standard erreichen, der bis 1990 galt – 1100 Wörter. Und auch sonst nimmt der Deutschunterricht nur 16 Prozent des Unterrichts ein – bei anderen Nationen erhält die Muttersprache 24 bis 26 Prozent Raum im Lehrplan.” http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/21/0,3672,2013749,00.html

  9. Tja da hat der gute Herr Krause völlig Recht, meine Rede! Hier ist in erster Linie die Politik und die Bundes-/Landesregierungen gefordert, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen (sprich Budgets und Resourcen ins Bildungswesen pumpen), damit wir an den Schulen genügend Deutschunterricht bekommen. Es ist umso bedenklicher, wenn die Fremsprachenkenntnisse (in diesem Fall Englisch) nur langsam besser werden, aber zugleich die Deutschkenntnisse wesentlich schlechter. D.h. im Schluß für mich, sie beherrschen weder das eine noch das andere vernünftig, sind also Doppel-Verlierer. Und wenn die Politik nicht in der Lage ist vernünftige Rahmenbedingungen zu schaffen, dann sollten so Vereine oder Organisationen, wie der o.g. VdS entsprechende Lobby-Arbeit und Öffentlichkeitsarbeit leisten und aktiv Initiativen in Angriff nehmen, um dies zu ermöglichen, anstatt Protestbriefe, die kaum einer liest und wahrnimmt, zu veröffentlichen, hochdotierte Preise zu verleihen und sich sich die Verbannung von Anglizismen auf die Fahnen zu schreiben, als Maßnahmen zur Rettung der deutschen Sprache.

    Traurig und bedenklich zu gleich, wenn der Staat seinen ureigenen Aufgaben nicht nachkommen kann und von dritter Seite Hilfestellung geleistet werden muß.

    Balki, wir sind endlich mal einer Meinung :-)

    Nicht die Anglizismen sind die große Bedrohung für unsere Sprache, sondern die mangelnde und vernachlässigte Ertüchtigung unserer Jugend zu guten muttersprachlichen Kenntnissen.

  10. Fozi: “Und wenn die Politik nicht in der Lage ist vernünftige Rahmenbedingungen zu schaffen, dann sollten so Vereine oder Organisationen, wie der o.g. VdS entsprechende Lobby-Arbeit und Öffentlichkeitsarbeit leisten und aktiv Initiativen in Angriff nehmen, um dies zu ermöglichen, anstatt Protestbriefe, die kaum einer liest und wahrnimmt, zu veröffentlichen, hochdotierte Preise zu verleihen und sich sich die Verbannung von Anglizismen auf die Fahnen zu schreiben, als Maßnahmen zur Rettung der deutschen Sprache. […] Nicht die Anglizismen sind die große Bedrohung für unsere Sprache, sondern die mangelnde und vernachlässigte Ertüchtigung unserer Jugend zu guten muttersprachlichen Kenntnissen.”

    Hab’ mich nach einiger Zeit nochmal in den VDS-Seiten umgesehen (verdammt viel Zeug, bin immer noch nicht ganz durch). Aber eines kann ich jetzt schon sagen: Der Verein erfüllt bereits viele deiner Forderungen. Er hat erstaunlich viele Initiativen mit eigenen Webseiten auf den Weg gebracht wie die Aktion Wortpatenschaften http://www.wortpatenschaft.de/ die Aktion “Lebendiges Deutsch” http://www.aktionlebendigesdeutsch.de/ und die Stiftung Deutsche Sprache http://www.stiftungds.de/ Zudem verleiht er alljährlich den hochdotierten Kulturpreis Deutsche Sprache http://www.kulturpreis-deutsche-sprache.de/

    Und noch eines hab’ ich herausgefunden: Unser Mitdiskutant Oliver Baer ist Vorstandsmitglied im VDS http://www.baer-coach.de/tatze/2006/05/14/vorstand-im-verein-deutsche-sprache/ Auch Baer hat mit “Kultur nützt” http://www.kultur-nuetzt.de/ eine beachtliche Aktion auf die Beine gestellt: “Eine Stelle finden mit gepflegter Muttersprache” lautet der Aufruf an Abgänger der Hoch- und Fachschulen, Universitäten, Gymnasien, Berufsschulen und Berufsakademien”.

    Summa summarum: Der VDS ist längst über seine ursprüngliche Rolle als Anglizismenbekämpfungsverein hinausgewachsen. Was nützen uns “gute muttersprachliche Kenntnisse”, wenn die Muttersprache zunehmend anglisiert wird? Mir gefällt es jedenfalls, dass der VDS auch weiterhin gegen das Ãœbermaß an Anglizismen ankämpft. Leave a Reply! :-)

  11. Hallo Balki, alter Nachtschwärmer ;-)

    Ich habe mir mal die Links, die du geschickt hast angesehen.

    1. Wortpatenschaft:

    Uiuiui..um die deutscge Sprache schein’ts echt schlecht zu stehen. Da kann ich für 5 Öre eine Patenschaft für ein deutsches Wort übernehmen und mir dann eine Urkunde übers Sofa pinnen. Gratulation, geschickter Schachzug um an Spendengelder zu kommen. Und Nina Ruge darf gleich für drei gleichzeitig Patin sein (Alles wird gut). Wenn ich zur Rettung der deutschen Sprache inzwischen spenden darf, wie für ein hungerndes Kind in Afrika, dann verstehe ich die Lobeshymnen unter “Fakten” nicht. Warum sollte ich eine Patenschaft für etwas übernehmen, das quasi als “Platzhirsch aller Sprachen” dasteht? Das widerspricht sich doch? Da müssten negative Fakten stehen, wie z.B. Deutschland ist PISA-Looser, weil die Kids nicht mehr richtig lesen und schreiben können, aber nicht daß daß es sogar plattdeutschsprechende Indianer gibt.

    2. Aktion lebendiges Deutsch

    Die Seite kannte ich schon. Doch habe ich sie bisher eher als satirische Aktion wahrgenommen als ernstgemeinte Rettungsmaßnahme. Ich fand immer recht witzig, wie man sich hier zum Teil einen abbrach um ein passendes deutsches Wort für einen Anglizismus zu finden. Bei den Begiffen online/offeline (das sind termini technici und keine Anglizismen) haben sich einige die Zähne daran ausgebissen :-). Meine Wertung: unterhaltsam, aber mehr auch nicht.

    3. Stiftung deutsche Sprache:

    Die Seite könnte mein Favourite, sorry Lieblingsseite, werden. Kann mir jemand mal diesen Satz erläutern:

    “Denn die deutsche Sprache ist eine Grundlage unserer menschlichen Existenz.” Heißt das etwa, daß Franzosen, Engländer, Italiener, Mongolen, etc. nicht existieren dürften, wenn es keine deutsche Sprache gibt? Das mag vor 60-70 Jahren evtl richtig gewesen sein (ich weiß, das ist eine böse These von mir). Da glaube ich mal, daß sich der Autor in seinem Rettungseifer etwas vergaloppiert hat. Wenn ich aber weiter unten im Text wieder “Denglisch” lese schwant mir schon einiges…die bösen, bösen Anglizismen. Und meine Erwartungen werden nicht entäuscht :-)

    Die Punkte unter “Förderung” verfolgen eher akademisch-theoretische Ansätze (Analyse, Dokumentation) und zuwenig praktische Ansätze, wie ich sie gern hätte. Stipendien und Wettbewerbe sind ja mal ein Anfang, aber bitte nicht wie be “Kultur nützt” (dazu komme ich noch später). Außer dem “Haus dem deutschen” lese ich nur weiche Absichtserklärungen (…wir streben an…), aber nichts Konkretes, daß man als Erfolg verbuchen kann.

    4. Kulturpreis deutsche Spache:

    Dazu muß ich nichts mehr sagen, außer “Gebt die Kohle sinnvoll aus!”

    5. Kultur nützt:

    Da erahnte ich schon einen zarten Silberschweif am Horizont , doch es entpupte sich als Streichholz, das im Wind ausgeblasen wurde.

    Zunächsteinmal löblich, daß hier mal was Sinnvolles und Pragmatisches iniziiert wurde. Einen Bewerbungs-Wettbewerb für Schulabgänger in einer der strukturschwächsten Regionen Deutschlands, die von Abwanderung und Arbeitslosigkeit gebeutelt ist zu starten, ist eine gute Sache.

    Doch wo sind die Erfolge dokumentiert? Wenn ich in das “…sogenannte Weblog…” schaue, daß eit April keine Einträge mehr vorweist, sehe ich ganze 6(!) Einträge und 8 Kommentare von denen 6 englischer Spam ist.

    Cool fan ich auch den ersten Kommentar von cChRiSs:

    “Hallo,

    Und wo bitte ist das Beispiel, das weiterhelfen soll? Ich kann keines finden – nur ein Gegenbeispiel, wie es nicht gemacht werden soll.

    M.f.G. – ChRiS ”

    Herr O. Baer, versucht zwar auf Chris’ Frage zu antworten, aber leider ohne Erfolg. Wenn ich eine Kurzbewerbung abschicke, die i.d.R aus einem kurzen prägnanten Anschreiben und einem lückenlosen Lebenslauf besteht, da erzähle ich im Anschreiben keine Stories übers Sandsäcke Heranschaffen o.ä., um meine Sozialkompetenz zu dokumentieren. Da wird das Anschreiben schnell zum Roman. Die Prsonaler haben keine Zeit und Lust, um einen Stapel mit Bewerbungen zu bearbeiten, wo jeder eine Erlebniserzählung schreibt. Da hätte man besser mal paar Personalreferenten der Partnerfirmen einbinden sollen, die wissen wie’s geht. Außerdem, die aufgeführten Begriffe zur Sozialkompetenz sind Standard in jeder Bewerbung, ohne die der Personaler die Bewerbung sofort ins Körbchen “Rücksendung” legt. Wer im Anschreiben etwas Unzutreffendes behauptet, fliegt sogar beim Durschnittspersonaler sofort auf.

    Wie ist denn nun der Wettbewerb ausgegangen, wer hat gewonnen, wo arbeitet der Sieger nun?

    Tja, wenn alle Initiativesn so “professionell” angegangen und durchgeführt werden, dann kann schon nichts mehr passieren. Doch wenn ein Projekt so versandet, dann ist es mit der Glaubwürdigkeit bei den Partnerfirmen schnell vorbei. Ich kann mir nicht vorstellen, daß sie bei so einem Projekt nochmal mitmachen werden.

    5. Herr Oliver Baer:

    Ich dachte mir schon, daß Herr Baer irgendwas mit dem VdS zu tun hat. Das war aus seinem Kommentar zwischen den Zeilen zu lesen. Umso mehr ehrt es mich ein Vorstandsmitglied des VdS als Gast auf meinem Blog gehabt zu haben.

    @ O. BAER: Bitte vertehen sie meine Aussagen zu “Kultur nützt” als konstruktive Kritik. Ich weiß ihren Einsatz und Leidenschaft in diesem Projekt durchaus zu schätzen. Doch das Thema dessen sie sich dort angenommen haben ist zu ernst, um es so ins Nichts laufen zu lassen.

  12. Also Fozi, ich bin kein Nachtschwärmer, sondern nur ein Morgenmuffel!

    Zu deinen Anmerkungen hier nur so viel: Zum Glück hast du die kritischsten Stellen in den obigen Seiten, die auch mir gegen den Strich gehen, übersehen oder gnädig ignoriert. Bei den vielen hundert Seiten, die der VDS ins Netz gestellt hat, werden sich immer Passagen finden lassen, die deinen oder meinen Vorstellungen nicht entsprechen. Einen Verein ganz nach deinem Gusto müsstest du logischerweise schon selbst gründen. Ob der dann 27 000 Mitglieder einsammeln kann, steht auf einem anderen Blatt…

    Doch bleiben wir bei unserem gemeinsamen Interesse an der deutschen Sprache und sehen uns die Alternativen an, die die staatlich finanzierten Sprachinstitutionen, allen voran die Gesellschaft für deutsche Sprache, anzubieten haben. Da wird alljährlich nach dem Wort und Unwort des Jahres gefahndet und/oder das “Schönste deutsche Wort” gesucht. Diese Aktionen sind für mich angesichts des Josef Kraus beklagten Deutschstundendefizits Peanuts. Kraus ist denn auch bezeichnenderweise ebenfalls VDS-Mitglied: http://www.vds-ev.de/verein/prominente-mitglieder.php

    Für eine mitgliederfinanzierte Bürgerinitiative hat der VDS erstaunlich breitangelegte Aktionen angeschoben und sich zu einer schlagkräftigen Truppe gemausert. Dabei erwarte ich nicht, dass der Verein im Einzelnen meinen individuellen Vorlieben entspricht, Hauptsache die Hauptstoßrichtung stimmt.

    Drum wundere dich nicht, wenn ich demnächst als frischgebackenes VDS-Mitglied eine Reply leaven werde :-)

  13. Guten Morgen!!

    Ups…jetzt seh ichs erst…mein letzter Kommntar strotz ja nur so vor Tippfehlern /und das beim Thema deutsche Sprache….tstststs…6 – setzen). Sorry, aber gestern mußte es schnell gehen. Jetzt bin ich aber zu faul zum redigieren und außerdem geht’s jetzt zur Wiens’n raus.

    Balki: Ich bin auch ein Morgenmuffel. Aber bei ner frischen Maß, nehm ich das gern in Kauf :-) Bis morgen! Oans, zwo, drei…g’suffa!

  14. Ein wenig spät, aber vielleicht hilft’s ja trotzdem: Habe selbst gerade bei Wikipedia nach dem vermeintlichen “Hendyadyoin” gesucht. Des Rätsels Lösung: Es ist unter “Hendiadyoin” zu finden. Quod erat demonstrandum. Gruß, Alexander

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